Im Februar 2019 erhielt Peter Frühsammer, Inhaber des Michelin-Sternerestaurants Frühsammers in Berlin-Wilmersdorf, eine E-Mail mit einer klaren Ansage:
«Was wollen wir? Ganz einfach: Geld! Nun sollten Sie wissen, dass wir nicht bluffen.»
— Erpresserbrief, Februar 2019
Die Forderung
Die Erpresser forderten 0,1 Bitcoin (ca. 300 Euro) bis zum 25. Februar 2019, 20:00 Uhr. Die E-Mail enthielt eine Bitcoin-Wallet-Adresse und sogar ein YouTube-Tutorial zum Bitcoin-Kauf. Die Drohung: Zugang zu Hunderten Social-Media-Accounts — Facebook, Instagram, Xing, Booking.com.
Der Beweis
Als «Beweis» erschien auf Google eine 3-Sterne-Bewertung unter dem Namen «Rita Sommer»: «Ausbaufähig — Essen war schon kalt…». Die Erpresser drohten mit Eskalation zu 1-Stern-Bewertungen.
Die Reaktion
Frühsammer erstattete Strafanzeige wegen betrügerischer Erpressung und veröffentlichte den Erpresserbrief auf Facebook. Stammgäste reagierten sofort mit 5-Sterne-Bewertungen. Google hatte die «Rita Sommer»-Bewertung nach drei Tagen noch nicht entfernt.
Dehoga Berlin berichtete, dass rund 3.000 Berliner Restaurants ähnliche Erpresserschreiben erhalten hatten.
Was dieser Fall zeigt
Wenn Erpresser ein Sternerestaurant angreifen können und Google die offensichtlich gefälschte Bewertung tagelang stehen lässt, funktioniert das System nicht. Die Polizei zeigte wenig Interesse — Frühsammer: «Das interessiert bei der Polizei niemanden.»